Wolf die Mad

Ein Mädchen von einem Einzelgehöft bei Schmölz ging an einem schönen Winterabend zur Spinnstube nach Häusles. In einer großen Bauernstube arbeiteten die Mädchen fleißig und sangen dazu. Nach dem Spinnen wurde getanzt und bei lustigen Spielen verging die Zeit wie im Fluge. Als das Mädchen endlich an den Heimweg dachte, war es schon sehr spät und der Vollmond erhellte die klare Winternacht. Der alte Bauer des Gehöftes sprach warnend zu dem Mädchen: "Bleib bei uns, geh erst morgen früh heim, die Wölfe treiben wieder ihr Unwesen!" Das Mädchen lachte übermütig und erwiderte: "Die Wölfe werden doch nicht gerade diese Nacht kommen - und wenn schon, ich wehre mich mit meinem Spinnrad!" Damit wünschte sie eine gute Nacht und lief singend hinaus in die Winternacht. Der alte Bauer ging kopfschüttelnd in sein Haus zurück und löschte das Licht. Als der Morgen graute und die Arbeit auf dem Einzelgehöft bei Schmölz begann, klopfte die Bäuerin an die Tür der Mädchenkammer. Ihr Klopfen aber blieb ungehört.
Sie rief nach ihrem Mann, der sich sofort auf den Weg nach Häusles machte, um das Mädchen zu suchen. Böse Ahnungen verfolgten ihn auf diesem Gang. Als er die halbe Wegstrecke zurückgelegt hatte, kam er an eine Stelle, wo der Schnee zerwühlt und mit Blut getränkt war. Neben den Spuren von Mädchenschuhen sah er viele Wolfsspuren. Zu Tode erschrocken murmelte er: "Die Wölfe, die elenden Wölfe!" Seine bösen Ahnungen hatten sich erfüllt. Als er den Wolfsspuren nachlief, fand er im Wald noch einige Kleiderfetzen, einen Arm des Mädchens und das zerschlagene Spinnrad. Zum Gedenken an den furchtbaren Tod des jungen Mädchens setzten die Leute einen Gedenkstein, in dem ein Kreuz eingemeißelt ist. Der Ort, an dem heute noch der Stein steht, heißt im Volksmund "Wolf die Mad".